Logo Wissenschaft im Dialog Wissenschaft im Dialog

Zurück zu „Wie?So!“

Wie wirkt Chlor im Schwimmbad?

06. Mai 2015

  • E Technik
Schwimmer Array

Wie wirkt Chlor im Schwimmbad? (Foto: Pang Yu Liu/flickr CC BY-SA 2.0)

Jeder kennt ihn, den leichten Geruch von Chlor, der manchmal im Schwimmbad in der Luft liegt. Und manch einer bemerkt nach dem Schwimmen eine Reizung der Haut oder der Schleimhäute. Was macht das Chlor im Schwimmbad, und: muss es da wirklich sein?

Jeder Besucher, der ein Schwimmbecken betritt, hinterlässt im Wasser Verunreinigungen. Haare, Hautschuppen oder Kosmetika, aber auch durchschnittlich rund 200 Milliliter Schweiß und 50 Milliliter Urin. Zusammen mit diesen Verunreinigungen gelangen auch krankheitserregende Mikroorganismen ins Wasser. Um die Infektionsgefahr zu reduzieren und zu verhindern, dass die Badegäste krank werden, braucht es ein Desinfektionsmittel, das die Keime zuverlässig und mit hoher Geschwindigkeit abtötet. Das leistet Chlor, das im Wasser schnell mit den Krankheitserregern reagiert.

Zusätzlich wird in den Schwimmbädern eine kontinuierliche Wasseraufbereitung durchgeführt. Da es mehrere Stunden dauern kann, bis Verschmutzungen zur Aufbereitungsanlage gelangen, kann diese die Desinfektion jedoch nicht ersetzen. Die Aufbereitung ist jedoch auch aus einem weiteren Grund wichtig. Chlor reagiert nicht nur mit den krankheitserregenden Mikroorganismen, sondern auch mit anderen Inhaltsstoffen des Badewassers, wie etwa dem Harnstoff. Dabei entstehen Desinfektionsnebenprodukte, wie zum Beispiel Trichloramin oder Trihalogenmethane (THM), die ebenfalls gesundheitsschädlich sein können. Die Nebenprodukte – und nicht das Chlor selbst – sind übrigens auch für den typischen „Schwimmbadgeruch“ verantwortlich.

Damit die Gesundheitsbelastung der Badegäste möglichst gering bleibt, ist also beides wichtig: Die Desinfektion des Wassers mit Chlorverbindungen, die Krankheitserreger zuverlässig und schnell abtötet. Die Wasseraufbereitung, die Verunreinigungen beseitigt und gleichzeitig die Bildung von gesundheitsgefährdenden Desinfektionsnebenprodukten reduziert. Zusätzliche Maßnahmen, die die Konzentration der gesundheitsschädlichen Stoffe niedrig halten, sind die Zugabe von Frischwasser und die Lüftung der Schwimmhallen.

Die in Deutschland zulässigen Chlor-Konzentrationen im Beckenwasser sind im internationalen Vergleich niedrig. Dies ist darauf zurückzuführen, dass hier im Vergleich zu anderen Ländern gleichzeitig sehr hohe Anforderungen an die chemische Wasserqualität und an die Effektivität der Aufbereitung gestellt werden.

Badegäste können übrigens auch selbst dazu beitragen, das Gesundheitsrisiko gering zu halten: Vor und nach dem Baden gründlich duschen. Der Harnstoff auf der Haut kann so fast vollständig abgespült werden, gelangt gar nicht erst ins Badewasser und kann so auch nicht mit dem Chlor reagieren.

Die Frage wurde beantwortet von Prof. Dr.-Ing Wolfgang Uhl, Norwegian Institute for Water Research (NIVA), Oslo. Weitere Informationen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Schwimm- und Badebecken finden sich zum Beispiel auf der Website des Umweltbundesamts.

Redaktion WiD: jg

Sie haben auch eine Frage an die Wissenschaft? Die Online-Redaktion von WiD sucht Experten, die sich mit diesem Thema auskennen, und beantwortet Ihre Frage.

Zum Fragenformular

Zur Übersicht