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Nicht erreichte Zielgruppen in der Wissenschaftskommunikation

Literaturreview zu Exklusionsfaktoren und Analyse von Fallbeispielen

Ziel ist es, im ersten Schritt die verschiedenen, nicht erreichten Zielgruppen für Wissenschaftskommunikation zu identifizieren und die Faktoren zu beschreiben, die dazu beitragen, dass sie von bisherigen Angeboten der Wissenschaftskommunikation oft nicht erreicht werden. Dies geschieht durch eine Analyse von praktischen Fallbeispielen, von Interviews mit Expertinnen und Experten sowie ein Literaturreview der Forschungsliteratur.

Fallbeispiele: Projekte für bisher nicht erreichte Zielgruppen

„Wissenschaft für alle“ ist nicht das erste Projekt, das erkannt hat, dass klassische Methoden der Wissenschaftskommunikation manche Zielgruppen nur eingeschränkt oder schwer erreichen – und es deshalb andere Formen der Ansprache braucht. Sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international befassen sich bereits verschiedene Projekte mit der Ansprache an nicht erreichten Zielgruppen. Diese fokussieren im Unterschied zu „Wissenschaft für alle“ zumeist ein spezifisches wissenschaftliches Thema und eine spezifische Zielgruppe. Sechs Projekte wurden konkreter analysiert, um einen Überblick über bisherige Praktiken und Erfahrungen vergleichbarer Projekte zu bekommen. Gerade hinsichtlich der Auswahl und Ansprache diverser Zielgruppen versprechen die so erlangten Erkenntnisse einen Mehrwert für das Projekt „Wissenschaft für alle“.

Fallbeispiel: Enterprising Science Fallbeispiel: Diamond Fallbeispiel: Camp Discovery Fallbeispiel: I am Science Fallbeispiel: Science goes Social Fallbeispiel: Physik für Flüchtlinge

Die obigen Fallbeispiele zeigen unterschiedliche Ansätze zur Einbindung nicht erreichter Zielgruppen in Praxisprojekten zur Wissenschaftskommunikation. Die konzeptionellen Designs reichen hierbei von stark theoretisch geleiteten Ansätzen wie bei „Enterprising Science“ bis hin zu situativ entstandenen und noch weiterentwickelten Projekten wie bei „Physik für Flüchtlinge“. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen der Projekte verfolgen alle den Ansatz, einen Bezug zwischen den wissenschaftlichen Themen und den Alltagswelten der Zielgruppen herzustellen.

Literaturreview und Experteninterviews

Nicht erreichte Zielgruppen beschäftigen schon seit einiger Zeit die Akteure der Wissenschaftskommunikation. Dennoch gibt es bis heute wenig systematische und übergreifende Forschung zu den Fragen, welche Zielgruppen die Wissenschaftskommunikation wenig erreicht und was die Gründe hierfür sind. Die meisten Projekte beziehen sich überwiegend auf einzelne Gruppen (bildungsferne Jugendliche), Kommunikationsformate (Museen) oder Herausforderungen (Barrierefreiheit). Daher ist das Projektteam bestrebt, in der ersten Projektphase von „Wissenschaft für alle“ die bisher nicht erreichten Zielgruppen umfassend und systematisch zu analysieren. 

Die Herausforderung nicht erreichter bzw. ausgeschlossener Gruppen stellt sich nicht nur in der Wissenschaftskommunikation, sondern auch in anderen Bereichen, die den Auftrag haben, Bürgerinnen und Bürger in der Breite zu erreichen. Daher sind im Review neben der Wissenschaftskommunikationsforschung auch gezielt weitere Bereiche wie Gesundheitskommunikation bzw. Public Health, Politische Bildung und Partizipationsforschung sowie allgemeine Bildungs- und Weiterbildungsforschung berücksichtigt.

 

Typologie der Exklusionsfaktoren

Eine umfassende Übersicht aller Faktoren, insbesondere für das Feld der Wissenschaftskommunikation, fehlt bislang. Deshalb erscheint es sinnvoll, alle identifizierten Faktoren in einer Typologie zu ordnen. Alle Faktoren wurden zur Systematisierung in das soziologische Drei-Ebenen Modell von Gerhild Brüning (2002) aus der Weiterbildungsforschung eingeordnet. Die Zuordnung der Faktoren zu den einzelnen Ebenen erfolgte u.a. durch das Projektteam. Um die große Anzahl der in der Literatur genannten Faktoren zu kondensieren, wurden als Relevanzkriterium nur solche berücksichtigt, die mindestens dreimal in unterschiedlichen Quellen benannt wurden.

Typologie der Exklusionsfaktoren in der Wissenschaftskommunikation (Auswahl)
Typologie der Exklusionsfaktoren in der Wissenschaftskommunikation (Auswahl)

Weiteres Vorgehen

Nach Abschluss der Recherchephase des Projekts wurden die Ergebnisse mit dem wissenschaftlichen Beirat diskutiert und schließlich die drei finalen Zielgruppen ausgewählt, mit denen in der nächsten Projektphase – der Formatentwicklung – zusammengearbeitet werden soll. In folgenden Projektschritten werden Fokusgruppen sowohl mit den Stakeholdern der drei identifizierten Zielgruppen als auch mit den Zielgruppen selbst durchgeführt. Bei diesen sollen persönliche Erfahrungen und Meinungen der Teilnehmenden rund um Wissenschaft erfragt und die Frage diskutiert werden, warum Wissenschaft bisher in ihrem Leben keinen Platz gefunden hat. Zudem soll herausgefunden werden, wie Wissenschaft für sie zugänglicher und attraktiver gemacht werden kann und von welchen Kommunikationsformen sich die Teilnehmenden angesprochen fühlen.

Abschließend werden in einem Workshop die bisherigen Ergebnisse mit den Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppen sowie mit den Stakeholdern gemeinsam diskutiert und bearbeitet. Ziel dieses Workshops ist es, drei passgenaue Formate festzulegen, mit denen in Zukunft mehr Menschen aus den drei ausgewählten Zielgruppen für Wissenschaft und Forschung begeistert werden können.

2019 werden, nach Einholung von Kommentaren und Empfehlungen des Beirats, die neu entwickelten Formate in Pilotprojekten getestet.

Bericht

Den vollständigen Bericht „Nicht erreichte Zielgruppen in der Wissenschaftskommunikation: Literatur-Review zu Exklusionsfaktoren und Analyse von Fallbeispielen" gibt es als pdf zum Download.