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Fachgespräch zum Thema „Stand und Perspektiven der Wissenschaftskommunikation”

15. Oktober 2015

  • erstellt von Thorsten Witt
  • 7
  • A Wissenschaftskommunikation
Quelle: Deutscher Bundestag

Quelle: Deutscher Bundestag

Am 14.10.2015 befasste sich der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung in seiner 43. Sitzung in einem öffentlichen Fachgespräch mit dem Thema Stand und Perspektiven der Wissenschaftskommunikation. Nachdem bereits der gute André Lampe dazu gebloggt hat, möchte auch ich meinen Eindruck des Gesprächsverlaufs hier darstellen. Dabei möchte ich weniger auf die Details und Antworten der Sachverständigen eingehen, sondern eher meinen persönlichen Eindruck des Fachgesprächs beschreiben. Wer sich für die Details interessiert, kann die Stellungnahmen und weitere Ausschussdrucksachen hier nachlesen. Das Fachgespräch selbst ist auch in der Mediathek des Bundestages zu finden und kann dort in voller Länge angeschaut werden. 

Der Ausschuss hatte für das Gespräch sieben Sachverständige eingeladen, die zu dem Thema eine Stellungnahme einreichen und diese zu Beginn der Sitzung kurz vorstellen konnten. Eingeladen waren:

Prof. Dr. Antje Boetius, Professorin für Geomikrobiologie, Universität Bremen, Vorsitzende des Lenkungsausschusses von Wissenschaft im Dialog (WiD) 

Thomas Korbun, Wissenschaftlicher Geschäftsführer Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH, Berlin 

Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, Direktor Haus der Zukunft gGmbH, Berlin 

Dr. Volker Meyer-Guckel
, Stellvertretender Generalsekretär Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., Berlin

Dr. Steffi Ober, Projektleiterin der Zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.), Berlin
 
Julia Wandt, Vorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation / Universität Konstanz, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Marketing, Pressesprecherin

Jan-Martin Wiarda, Journalist für Bildung und Wissenschaft, Teltow

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich es sehr positiv finde, dass der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt und ich muss auch sagen, dass die Abgeordneten sich wirklich gut mit dem Thema auskannten und sehr detaillierte Fragen stellten. Es war also definitiv kein Austausch von Allgemeinplätzen oder grundsätzlichen Fragen nach Sinn und Zweck von Wissenschaftskommunikation, sondern viel eher ein Gespräch mit konkreten Empfehlungen und Einschätzungen. 

Zweitens, Notiz für uns bei WiD: Die Meinungsumfragen zum Wissenschaftsbarometer unbedingt weiter durchführen. Man konnte irgendwie den Eindruck haben, dass die Abgeordneten unsere kleine Broschüre intensiv gelesen haben...

Aber nun zum Verlauf des Fachgesprächs: Dominierende Themen waren meines Erachtens neben Partizipation und Citizen Science, die Qualitätssicherung in der Wissenschaftskommunikation und die Frage, wie die Politik Wissenschaftskommunikation konkret unterstützen könnte. Die Frage nach einer möglichen Beteiligung der Bürger in Wissenschaft und Forschung dominierte jedoch das Gespräch. Interessant war dabei , dass die Beweggründe der Abgeordneten, Partizipation zu ermöglichen, ganz offensichtlich sehr stark divergierten und von Akzeptanzbeschaffung (!), über Begeisterung wecken bis hin zu echtem Dialog auf Augenhöhe und konkreter Einflussnahme der Öffentlichkeit auf Forschungsvorhaben reichten. 

Die Sachverständigen waren sich einig, dass es bei Partizipation nicht um Akzeptanzbeschaffung gehen kann, sondern viel mehr um eine allgemeine Offenheit gegenüber der Wissenschaft und um einen kenntnisbasierten Diskurs zwischen den Akteuren. Sie betonten, dass Relevanz, Vertrauen und Transparenz entscheidende Faktoren für gelungene und erfolgreiche Partizipation sind. Ernsthafte Partizipationsprozesse seien jedoch sehr langwierig und aufwendig. Deshalb müssten von der Politik vor allem Förderinstrumente geschaffen werden, die diesen Aspekt berücksichtigen. 

Gerade bei der Durchsetzbarkeit der Qualitätskriterien in der Wissenschaftskommunikation erhofften sich die Sachverständigen die Unterstützung der Politik. So könne Wissenschaftskommunikation durch eine Einbeziehung in Förderprogramme nicht nur finanziell unterstützt werden, sondern auch inhaltlich an Bedeutung gewinnen und Themen wie Partizipation und Citizen Science auch auf den Leitungsebenen besser verankert werden. Antje Boetius betonte, dass auch Wissenschaftskommunikation forschend begleitet werden (Science of science communication) und einen klaren strategischen Ansatz verfolgen müsse. Bei der Frage, was gute Wissenschaftskommunikation auszeichnet, betonte vor allem Reinhold Leinfelder die Notwendigkeit, auch kreative und spielerische Ansätze bei Ausstellungen oder Comics auszuprobieren. Sowohl Antje Boetius als auch Jan-Martin Wiarda stellten in dem Gespräch die Bedeutung der Wissenschaftler selbst noch einmal in den Vordergrund. Sie könnten anders als die Institutionen am besten ein Bild von Wissenschaft und Forschung vermitteln. Beide betonten dabei auch die Bedeutung der klassischen Medien, wobei Jan-Martin Wiarda für eine Förderung neuer Ideen und Geschäftsmodelle für einen unabhängigen Wissenschaftsjournalismus plädierte (siehe dazu auch den Aufruf des Expertenkreises Stiftungen & Qualitätsjournalismus im Bundesverband Deutscher Stiftungen). 

So viel zu meinem Eindruck von der Veranstaltung. Alles in Allem vielleicht nichts grundlegend Neues, was man aber, denke ich,  auch nicht erwarten konnte. Dennoch fand ich das Gespräch durchaus interessant und spannend. Wer mehr erfahren möchte: hier noch mal der Link zu den Ausschussdrucksachen und zur Mediathek des Bundestages. Ich bin vor allem gespannt, was die Auswirkungen dieses Fachgesprächs sein werden und ob das Thema auch weiterhin von der Politik aufgegriffen wird. Dass die Politik das aus eigenem Interesse tun sollte, stellte auch die Vorsitzende des Ausschusses, Patricia Lips, am Ende der Sitzung fest, als sie viele Parallelen zu den Fragen und Herausforderungen feststelle, mit denen sich die Politik selbst auch beschäftigt.


7 Kommentare

  1. Oliver Tacke am 16.10.2015

    Danke für deine Einschätzung! Klingt doch gut, auch wenn abzuwarten bleibt, was nun tatsächlich auch passiert.

  2. Simon Schneider am 16.10.2015

    Interessante Veranstaltung - stellt sich mir nur die Frage, warum kein Vertreter der angesprochenen Forschung zur Wissenschaftskommunikation dabei war. Immerhin gibt es ja einige Lehrstühle für Wissenschaftskommunikation in Deutschland (FU Berlin, Hochschule Rhein-Waal, KIT und andere)?

  3. Manfred Ronzheimer am 16.10.2015

    Meine Beiträge zum Thema und zur Veranstaltung werden konsequent ignoriert. Verlinkt wird, was ein Blogger für seine Freunde schreibt, aber nicht, mit welchem Artikel die taz bundesweite Öffentlichkeit zum Thema herstellt. Wirklich eine seltsame kommunikative Parallelwelt, die sich hier aufgebaut hat. Ich werde darauf achten.

  4. Thorsten Witt am 16.10.2015

    Lieber Herr Ronzheimer,

     

    wenn Sie auf das Datum meiner Blogbeitrags schauen, werden Sie feststellen, dass dieser bereits am 15.10. online gestellt wurde. Ihr Artikel in der TAZ erschien meines Wissens am 16.10., was es mir "etwas schwer" machte, darauf einzugehen. Ich hoffe, Sie verstehen das.

  5. Manfred Ronzheimer am 16.10.2015

    Das ist richtig. Aus dem Grund hatte ich hier schon eine Vorab-Veröffentlichung gebracht:

    www.facebook.com/manfred.ronzheimer/posts/993292907389425

  6. Oliver Tacke am 16.10.2015

    Lieber Herr Ronzheimer,

     

    was genau hat Sie zu Ihrem Kommentar bewegt? Bei mir kommt an, dass Sie einen Bedeutungsverlust von "klassischen Medien" bedauern, eventuell sogar etwas betrübt sind, dass gerade Sie nicht zitiert werden. Das müssen Sie nicht gemeint haben, aber diese Nachricht kam bei mir an. Daher frage ich nach.

  7. Arwen am 28.10.2015

    Es ist schon ein großer Schritt, dass deutsche Politiker sich für das Thema Wissenschaftskommunikation interessieren.

     

    Ich finde den Ruf nach einem strategischen Ansatz gut, aber schwierig, weil die Wissenschaftskommunikation ein breiter Arbeitsfeld ist. Doch vielleicht existiert schon, beim Siggener Aufruf zum Beispiel, der Beginn einer Strategie. Eine wissenschaftliche Begleitung der Wissenschaftskommunikation wäre viel leichter einzusetzen, wenn eine Strategie mit klare Ziele existiert.

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