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Nachgefragt – bei Antonia Rötger

10. November 2017

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Foto: Silvia Zerbe

Foto: Silvia Zerbe

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen und 17 Antworten – mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der vierundwanzigsten Ausgabe sprechen wir mit Antonia Rötger, Referentin für Wissenschaftskommunikation in der Pressestelle des Helmholtz-Zentrum Berlin.

Eine gute Kommunikatorin braucht …?

Geistige Beweglichkeit: Wir müssen sowohl die Forschenden als auch die unterschiedlichen Zielgruppen gut verstehen können. Im Idealfall übersetzen wir nicht einfach aus der Fachsprache in „Laiensprache“, sondern beleuchten die Forschungsergebnisse unter einem anderen Blickwinkel, der für die Zielgruppe wirklich relevant ist.

Was hat Sie dazu bewogen, in der Wissenschaftskommunikation aktiv zu werden?

Bei meiner Doktorarbeit habe ich gemerkt, wie tiefe Löcher man bohren muss, um wirklich etwas Neues herauszufinden. Ich bin aber eher ein Weitwinkel-Mensch und interessiere mich für viele Entwicklungen in der Forschung. Jetzt darf ich mir die „Rosinen“ herauspicken.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Lesen, Fragen und Schreiben.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikatorin?

Ich liebe den Aha-Effekt, wenn bei mir selbst endlich der Groschen fällt. Im Gedächtnis sind mir auch einige Gespräche mit Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern geblieben, die sich ganz anders entwickelt haben als gedacht. Auch die Kinderfeatures zu Umwelt oder Chemie haben mir viel Spaß gemacht, weil Kinder ohne Hemmungen alles fragen und man auch mal etwas weiterspinnen darf. 

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Wir haben vor einige Zeit mit großem Aufwand ein Projekt gestartet, mit einem hehren und wichtigen Ziel: Wir wollten an Beispielen erzählen, wie Forschung funktioniert, vom Aufbau der Geräte angefangen. Leider hat das fast niemanden außerhalb des engsten Kreises interessiert. 

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie im Arbeitsalltag am meisten? 

Oje, was für eine Frage? Dummheit? Trägheit? Völlerei! 

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen?

Mit Tania Singer. Sie forscht am MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zu Empathie und Mitgefühl. Es stimmt mich leise optimistisch, dass sie inzwischen auch zum Weltwirtschaftsforum in Davos eingeladen wird. Vielleicht hört ihr dort mal jemand zu.

Ihre Lieblingswissenschaft?

In der Physik geht es um einfache Systeme, die sich ziemlich gut beschreiben lassen, das macht Spaß. Aber ich finde auch Biologie sehr spannend und interessiere mich seit Jahren für Kognitionsforschung. Obwohl wir so viele Fehler beim Denken machen, schaffen wir es, genau darüber nachzudenken. Das ist doch erstaunlich.

Welches Forschungsthema würden Sie äußert ungern kommunizieren?

Ich mache mir wirklich Sorgen über die globale Klimaveränderungen. Ich hätte daher keine Lust, Forschung zur Förderung von Ölsand schön zu reden. 

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen?

Ich würde gerne ein Sachbuch über die wunderbare Natur schreiben, mit Experimenten zum Nachmachen. Und nebenbei würde ich so die Versprechungen der Esoterik entzaubern. 

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation?

Im Wissenschaftsjournalismus! Oder aber ein Café aufmachen, mit regelmäßigen Lesungen zur blauen Stunde, zu denen kleine dreieckige Sandwiches und Petits Four gereicht werden. 

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist …?

Eine Grundlage für informierte öffentliche Debatten.

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte?

Die empirische Naturwissenschaft. Francis Bacon hat die Methode im frühen 17.ten Jahrhundert beschrieben, mit Experimenten Fragen an die Natur zu stellen. Damit können wir (vermeintliches) Wissen überprüfen, verbessern, erweitern oder verwerfen. Genial!

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt?

Sehr laut und dreckig. Umweltverschmutzung war schon in meiner Kindheit ein Thema, viele Flüsse waren tot, der Autoverkehr nahm zu, ein Atomkrieg schien möglich. 

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei?

Beim Wandern oder Singen. Das lässt sich auch gut kombinieren.

Kollegen helfe ich gerne bei …?

Wenn es brennt, mache ich wirklich alles. Ansonsten feile ich gern an fremden Texten, damit der Inhalt noch besser zum Vorschein kommt.

Wem würden Sie den Fragebogen gerne schicken und welche Frage würden Sie ihm gerne stellen?

Angela Merkel – sie ist eine großartige Kommunikatorin, aber was davon ist Machtpolitik und wie viel Platz bleibt für eigene Überzeugungen – zum Beispiel in der Klimapolitik?

Antonia Rötger

Antonia Rötger arbeitet seit 2012 in der Pressestelle des Helmholtz-Zentrum Berlin als Referentin für Wissenschaftskommunikation. Davor war sie sechs Jahre in der Geschäftsstelle der Helmholtz-Gemeinschaft tätig, arbeitete als Wissenschaftsredakteurin für die WELT und schrieb als freie Wissenschaftsjournalistin Beiträge für Bild der Wissenschaft, FAZ und NZZ Beiträge. Sie verfasste Hörfunkfeatures für das Kinderprogramm des Deutschlandradios, die Wissensthemen spielerisch aufgreifen, zum Beispiel zur Geschichte der Chemie, zum Perpetuum Mobile oder zum ökologischen Fußabdruck.

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