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Wie viel Arbeit steckt hinter #DieDebatte?

04. September 2017

  • erstellt von Katja Machill
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Die Experten Janina Mütze und Nico Siegel im Rampenlicht der Debatte über Meinungsforschung – in diesem Moment ist die meiste Arbeit im Projekt Die Debatte schon gelaufen. Foto: Gesine Born/ WiD

Die Experten Janina Mütze und Nico Siegel im Rampenlicht der Debatte über Meinungsforschung – in diesem Moment ist die meiste Arbeit im Projekt Die Debatte schon gelaufen. Foto: Gesine Born/ WiD

Wow. Das war sie also. Meine erste Live-Debatte aus dem Projekt Die Debatte. Am 31. August 2017 durfte ich miterleben, wie viel Herzblut und Arbeit dahinter stecken, und auch selbst ein bisschen helfen. Mein Auftrag: Twitter und Facebook nach Fragen aus der Community durchforsten, selbst twittern und vorab ein wenig Videoreporting.

Aber vielleicht noch einmal drei Sätze zum Projekt, für alle Debatten-Neulinge: Debatten, wie sie an Familien- und Stammtischen geführt werden, verlaufen oft hitzig, ohne dass die Debattierenden ihre Argumente auf wissenschaftliche Fakten stützen. „Das möchten wir in dem Projekt Die Debatte ändern“, erklärt Projektmanager Nico Dannenberger auf dem Portal wissenschaftskommunikation.de. Das Ziel: Durch wissenschaftliche Fakten und Perspektiven konstruktive Diskussionen anzuregen. Das passiert live wie gestern, aber auch und insbesondere online über die Webseite und Social Media. Und zwar schon zwei Wochen vor der Live-Debatte. Dann füllt das Team die Webseite mit Hintergrundartikeln, Interviews, Infografiken und Kartenstapeln zum jeweils aktuellen Thema und führt sogar eigens Umfragen durch.

Apropos Thema: Was ist denn das optimale Thema für eine Debatte? „So aktuell und so kontrovers wie möglich“, sagt mir Projektleiterin Rebecca Winkels. Und das sei nicht leicht zu finden. Ganze zwei Monate vor einer Live-Debatte setzt sich ihr Team erstmalig zum Brainstormen zusammen. Manche Themen liegen in der Luft, zum Beispiel Flucht und Migration, andere Themen will Die Debatte auch neu anstoßen. 

Meinungsforschung, das Thema der aktuellen Debatte, findet Winkels als Naturwissenschaftlerin überraschend spannend und vielfältig: „Da treffen zwei Lager aufeinander – Festnetz gegen Online.“ Mit klassischen Meinungsumfragen per Telefon erreiche man insbesondere die ältere Generation, mit Online-Umfragen eher die Jüngeren. Winkels: „Es ist die Frage, welche Zielgruppe du verlierst, denn eine verlierst du auf jeden Fall.“ Das klingt alles andere als repräsentativ. Es scheint, dass Meinungsforschung mit den herkömmlichen Mitteln einfach nicht mehr funktioniert. Oder doch? Wir werden sehen, welches Ergebnis die Live-Debatte bringt.

Wenige Minuten werden die Experten mit verkabelt, dann folgt der Soundcheck. Foto: Gesine Born/WiD
Wenige Minuten werden die Experten mit verkabelt, dann folgt der Soundcheck. Foto: Gesine Born/WiD

Auf dem Weg mit dem Fahrrad in die Hörsaalruine der Charité komme ich in den herrlichsten Sommerregen und muss trotz Google Maps mehrfach nach dem Weg fragen. Denn: Der Charité-Campus ist groß und die Adresse auf dem Plakat führt nur zum Eingang des Geländes. Also nehme ich die Anfahrt gleich zum Thema meines Videoreportings, verknüpfe das Ganze mit einem Stimmungsbild des Teams und versende per Twitter einen genauen Lageplan.

 „Unser Projekt funktioniert offline nicht“

Gegen 16 Uhr der erste Schock:  Das Debatten-Team stellt fest, dass es im Veranstaltungsraum kein funktionierendes WLAN und nur eine einzige LAN-Verknüpfung gibt. Rebecca Winkels stellt nüchtern fest: „Unser Projekt funktioniert offline nicht.“  Schnell werden Optionen abgewogen: Im Mediamarkt Netzwerk-Splitter kaufen oder vom WiD-Büro die mobilen WLAN-Router bringen lassen? Aber, wird die Qualität für den Livestream auf YouTube reichen? Für Social Media? Und dann kommt doch noch eine Lösung um die Ecke: Kollege Artur Krutsch hat über seinen Laptop einen mobilen Hotspot eingerichtet, über den wir uns jetzt alle einloggen können. Das nenne ich Teamwork! 

Während einer Live-Debatte kann die Online Community mitdebattieren, sich aus der Ferne per Livestream dazu schalten und per Twitter, Facebook oder auf YouTube Fragen stellen. Diese Fragen werden dann vom Projektteam gesammelt und an Mai Thi Leiendecker weitergereicht, eine der beiden Moderatoren und passionierte YouTuberin. „Mai ist quasi die Anwältin des Publikums und bringt deren Fragen in die Debatte ein“, erklärt mir Nico Dannenberger. Mai selbst behält mit ihrem Laptop die Kommentare zu den Videos im Blick, das Team checkt den Rest. 

 

Punkt 19 Uhr geht Die Debatte dann ohne Probleme online, sie wird live auf YouTube und faz.net übertragen. Auf dem Podium sitzen Thorsten Faas, Professor für Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Janina Mütze, Mitgründerin des Online-Umfrageinstituts Civey und Dr. Nico A. Siegel, Geschäftsführer von infratest dimap.

Fragen aus dem Netz und vom Publikum vor Ort werden durch das Projektteam an Moderatorin Mai gereicht, die sie in die Debatte einbringt. Foto: Katja Machill/WiD
Fragen aus dem Netz und vom Publikum vor Ort werden durch das Projektteam an Moderatorin Mai gereicht, die sie in die Debatte einbringt. Foto: Katja Machill/WiD

Im Publikum sitzen etwa 90 Gäste, vor den Bildschirmen und Handydisplays vermutlich noch viel mehr. Auf Twitter wird Die Debatte auf jeden Fall rege verfolgt, getwittert werden vor allem Statements der Experten. „Bei der letzten Debatte zum Autonomen Fahren kamen mehr Fragen über Twitter rein“, erinnert sich Nico Dannenberger. Rebecca Winkels vermutet, dass die Art der Beteiligung oft auch themenabhängig ist. Meinungsforschung gehöre zu den Themen, die Leute nicht so emotional mitnehmen. „Darüber möchten sie sich eher informieren und nicht so stark mitreden.“

BU: Schickt uns Fragen zu #DieDebatte! Zusammen mit Mai bildet das Projektteam die Brücke zur Online Community und behält während der Veranstaltung Facebook, YouTube und Twitter im Blick. Foto: K. Machill/WiD
BU: Schickt uns Fragen zu #DieDebatte! Zusammen mit Mai bildet das Projektteam die Brücke zur Online Community und behält während der Veranstaltung Facebook, YouTube und Twitter im Blick. Foto: K. Machill/WiD

Eineinhalb Stunden später geht die zweiwöchige Debatte mit vier Videos, fünf Hintergrundartikeln, sechs Interviews, 35 Tweets und einer Live-Debatte zur Meinungsforschung zu Ende. Hat sich die Arbeit gelohnt?

Rebecca Winkels nickt: „Wir hatten volles Haus, was in Berlin echt nicht die Regel ist. Mehr hätten nicht reingepasst!“

Die Hörsaalruine der Charité war bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: Gesine Born/ WiD
Die Hörsaalruine der Charité war bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: Gesine Born/ WiD

Und was nehmen die Organisatoren von der Live-Debatte mit nach Hause? Es sei gar nicht so leicht, eine Veranstaltung zu organisieren und trotzdem inhaltlich alles mitzubekommen, versichert mir das Debatten-Team. Und doch, etwas ist hängengeblieben:

Rebecca Winkels: „Meinungsumfragen sind komplex und schwierig durchzuführen und enorm wichtig. Gerade für den Bürger, der ein Recht auf Information hat.“

Nico Dannenberger: „Meinungsforschung ist eine Grundzutat einer demokratischen Gesellschaft.“

Mein eigenes Fazit: Wenn man auch sonst nicht unbedingt alles dem Zufall überlassen sollte, ohne ihn geht in der Meinungsforschung gar nichts. 

Auch nach der Debatte wird weiter diskutiert. Foto: Gesine Born/ WiD
Auch nach der Debatte wird weiter diskutiert. Foto: Gesine Born/ WiD

Die nächste kleine Online-Debatte zum Thema „Alzheimer“ startet am 15. September 2017, das Thema der nächsten großen Debatte steht noch nicht fest. „Wir versuchen die Themen so lange wie möglich offen zu halten, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können“, erklärt Winkels. Nur Termin und Ort der Live-Debatte stehen schon: 1. November 2017, Hannover. Save the date!


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