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Wissenschaftskommunikation ein Forschungstrend?

02. Februar 2018

  • Erstellt von Rebecca Winkels
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Eintreten für die Wissenschaft nicht nur beim Science March. i.e. Interviewreihe Forschungstrends 2018 zeigt, die Vertrauensfrage bleibt auch in diesem Jahr ein spannendes Thema. Foto: Bernd Wannenmacher, CC-BY-4.0

Was sind DIE Forschungstrends 2018? Dieser Frage geht aktuell der Deutschlandfunk in einer Interviewserie mit Vorstandsvorsitzenden von großen Forschungseinrichtungen in Deutschland nach. Neben den Präsidenten der vier außeruniversitären Forschungseinrichtungen Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer- und Leibniz-Gesellschaft wurde auch Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), zu aktuellen Trends, Zukunftsthemen, Erfolgen und Misserfolgen befragt. 

Doch welche Rolle spielt bei den Forschungstrends 2018 die Kommunikation nach außen und damit unser Spezialgebiet die Wissenschaftskommunikation? Wir haben für euch reingehört und liefern einen Überblick. 

Das große Thema der Wissenschaftskommunikation war die Vertrauenskrise der Wissenschaft in Zeiten von alternativen Fakten. Auch in den Interviews wird schnell klar, dass diese etwaige Verschiebung des Verhältnisses von Wissenschaft und Öffentlichkeit für die Vorsitzenden der entscheidende Punkt ist. Wobei die Meinungen durchaus auseinandergehen. 

Chance, sich besser zu erklären

So wird beispielsweise Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft mit den Worten zitiert: „Ich würde nicht von einer Vertrauenskrise sprechen. Ich würde es eher als eine Chance sehen, dass wir aktiv gefordert sind zum Dialog, uns besser zu erklären. Wir haben es ja nach meiner Wahrnehmung nicht damit zu tun, dass man hier und da misstrauisch gegenüber Forschung ist, weil man die Dinge einfach nicht versteht. Die Fragen, die kommen, sind ja oft auch ehrliche Besorgnis, weil man Dinge selbst versteht, versucht zu durchdenken. (…) Ich sehe es eher als eine Chance, als eine Aufforderung zum wirklich streitbaren Dialog und auch als Aufforderung an uns, uns besser zu erklären. Wenn Sie auf Konferenzen gehen, ist es in der Tat so, dass wir oft alle in Abkürzungen, in unserer Fachsprache sprechen, und am Ende diejenigen, für die die Forschung sein soll, die Gesellschaft, nicht mitnehmen. Und das darf nicht sein.“ 

Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Peter Strohschneider äußerte sich im Gespräch mit Uli Blumenthal zu diesem Thema: „Ob es so etwas gibt wie eine Vertrauenskrise, ist seinerseits eine nicht unumstrittene Hypothese. Ich meine, dass das Wissenschaftssystem, die Wissenschaftler, die Wissenschaftsorganisationen an dieser Stelle ganz besonders sensibel sein sollen. Und unter diese Prämisse würde ich mir selbst und den Kolleginnen und Kollegen empfehlen, zuweilen etwas weniger vollmundig zu sein.“

Die Qualität ist wichtiger als die Menge

Max-Planck-Präsident Martin Stratmann sieht das Vertrauensproblem nicht nur in der Wissenschaft, sondern als generelles in Eliten. Aus seiner Sicht müsste die Wissenschaft folgende vier Dinge tun: „Zunächst mal, wir müssen die Publikationsflut reduzieren. Wir sollten nur noch das publizieren, was wirklich wichtig ist, und wir müssen aufpassen, nicht unser Ansehen nur durch die Menge des Publizierten zu definieren. Die Qualität ist wichtiger als die Menge. Das Zweite ist, Wissenschaft muss ehrlicher werden. Wissenschaft im Allgemeinen verkündet keine Wahrheiten, sondern Erkenntnisse auf dem aktuellen Stand des Wissens. Das ist ein Stand, der jederzeit revidiert werden kann. Wir sollten auch nicht der Versuchung erliegen, der Öffentlichkeit Versprechungen zu machen, Krankheiten zu heilen, die wir am Ende nicht halten können. Wir machen viele Erkenntnisse, vieles führt dazu, dass man auf Dauer auch Krankheiten, schwere Krankheiten angeht, dass man neue Verfahren entwickeln kann. Aber meistens ist das nicht so simpel und nicht so kausal. Wir sollten ehrlicher werden. Drittens, wir müssen Abhängigkeiten vermeiden. Ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Wissenschaft darf nie fremdbestimmt sein, weder von der Politik noch von der Wirtschaft. Ein Problem, das wir zurzeit haben, und das ist auch der Kern der Kritik, denke ich: Es gibt viele, viele Studien, wissenschaftliche, angeblich wissenschaftliche Studien, die bei näherem Hinsehen dann doch qualitativ nicht wirklich einer kritischen Analyse standhalten. (…) Und das Letzte: Wir müssen uns einem öffentlichen Diskurs stellen - und zwar so, dass die Öffentlichkeit wirklich mitkommt. Und das geht nur durch das persönliche Engagement von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, nicht nur durch eine PR-Abteilung.“

Weder Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungsorganisationen, noch Pascale Ehrenfreund wurden explizit nach dem Vertrauensproblem gefragt und äußerten sich auch in anderen Bereichen nicht zur Bedeutung der Wissenschaftskommunikation beziehungsweise zum Verhältnis Öffentlichkeit und Wissenschaft. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass beide dies nicht in vorherigen Statements getan hätten. 

Intensiv kommunizieren in die Gesellschaft hinein

Auch der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner wurde nicht nach dem Vertrauensverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft gefragt, er betonte allerdings, dass der aktive Dialog explizit Teil der Mission der Leibniz-Institute sei: „(…) erkenntnisorientierte Forschung auf höchstem Niveau zu betreiben, dabei Anwendungsperspektiven immer im Blick zu haben und Anwendungen in Wirtschaft, in Gesellschaft, in den Feldern, wo es Sinn macht, und dabei auch intensiv zu kommunizieren mit der Politik – Politikberatung ist ein wichtiges Stichwort –, aber in die gesamte Gesellschaft hinein. Das ist etwas, was uns wirklich auch zunehmend durch den Kopf geht, wie wir das noch intensivieren können“. In einer besonderen Verantwortung sieht er in diesem Punkt die acht Forschungsmuseen innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft. „Einmal, zu sammeln, die Sammlungen – 110 Millionen Sammlungsstücke in den acht Forschungsmuseen – an und mit der Sammlung zu forschen zu auch übergreifenden Themen. Und hier sind wir besonders froh, dass es uns gelungen ist, mit der Smithonian Institution, die in den USA die führende Institution ist, Forschungsmuseen zu organisieren, um noch besser zu wissen, wie machen wir das, was sind Zielgruppen, wie können wir auch eine Partizipation der Gesellschaft an dem, was wir tun, realisieren. Ich nenne mal dieses Stichwort Citizen Scienceship, also die Beteiligung von Bürgern, qualitätsgesichert in jedem Fall, an Forschungsprojekten. Da haben Sie einen wichtigen Punkt angesprochen“, sagt er. 

Wir sind immer noch zu sehr unseren eigenen Themen verhaftet

Auch Martin Stratmann erwähnte den Bereich Kommunikation mit der Öffentlichkeit außerhalb der Frage bezüglich der Vertrauenskrise. Und zwar als Misserfolg, den alle Interviewten benennen sollten. So sagte der Max-Planck Präsident: „Es ist uns und anderen nicht wirklich gelungen, die Bevölkerung so für Wissenschaft zu begeistern, wie das notwendig wäre. Ich denke, wir sind immer noch zu sehr unseren eigenen Themen verhaftet, wir haben unsere eigene Sprache. Wir haben die Bevölkerung nicht so mitgenommen, wie man das machen muss. Die Kritik, die an Wissenschaft generell geäußert wird, die haben wir nicht wirklich befriedigen können. Und ich denke, das ist auch ein Misserfolg.“

Insgesamt wurde in den kurzen Interviews deutlich, dass die Vertrauensfrage weiterhin ein spannendes Thema zu bleiben scheint und der Bedarf an Wissenschaftskommunikation durchaus auf dem Schirm der Vorsitzenden der großen Forschungseinrichtungen ist. Unklar bleibt jedoch noch etwas, wie genau die Kommunikation der Zukunft aussehen soll. 


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