Wissenschaft persönlich

WiD fragt – Achim Peters antwortet

15 Fragen, 15 mal ernsthafte, mal vergnügliche Antworten. In Etappen stellen wir Ihnen interessante Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor. Nach den Communicator-Preisträgern kommen nun Forschende zu Wort, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Gesundheit beschäftigen.

 

Achim Peters
Foto: Thomas Berg

Im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung zuerst die Frage: Was ist „gesund“?

Ein Mensch kann auf ein Ereignis, das ihn aus dem Gleichgewicht bringt, wie Streit, Prüfungen, Verlust des Arbeitsplatzes oder Infektionen, auf mannigfaltige Art und Weise reagieren. Er kann so nach einer gewissen Zeit sein ursprüngliches Gleichgewicht wiederfinden. Je dynamischer und besser sich der Mensch an wechselnde Gegebenheiten anpassen kann, desto gesünder ist er. Beim „kranken” Menschen sind diese Möglichkeiten eingeschränkt. Es steht ihm manchmal nur noch eine Möglichkeit zur Verfügung und diese ist noch nicht einmal besonders effektiv. Oft stellt sich nach belastenden Ereignissen ein neues Gleichgewicht ein, das ungünstiger ist als das ursprüngliche.  

Was war in der Geschichte der Medizin der größte Durchbruch?

1920 entdeckte die Pathologin Marie Krieger, dass das Gehirn das einzige Organ ist, das im Hunger nicht abnimmt. Diese bahnbrechende Beobachtung stellt die Grundlage für ein tiefes Verständnis des menschlichen Stoffwechsels dar, aus dem heraus man Erkrankungen wie Übergewicht und Magersucht erklären kann. Interessanterweise blieb Marie Kriegers bahnbrechende Entdeckung - wie ihre Person - bis vor wenigen Jahren unbeachtet.

Welches sind die wichtigsten Fragen, die die Gesundheitsforschung in den nächsten Jahrzehnten beantworten muss?

In Deutschland ist jedes siebte Kind zu dick. Das macht mir als Internist große Sorgen. Die gewaltige Übergewichtsepidemie, die sich derzeit über den Globus ausbreitet, lässt sich nur aufhalten, wenn alle heute geborenen Kinder schlank bleiben. Dazu müssen die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung und der Stoffwechselforschung gesundheitspolitisch umgesetzt werden.   

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?

Eine Sommerschule mit Schülern der 11. Klasse, die mit hoher Kreativität und Engagement die Stoffwechselvorgänge im menschlichen Organismus anhand eines einfachen physikalischen Modells mit Wassersäulen, Schläuchen und Wehren anschaulich dargestellt haben. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Kreativität und Spontaneität von jugendlichem Denken. Ich bin überzeugt: Kinder sind die besten Forscher!

Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?

Dem Starkoch Jamie Oliver. Der Koch wurde zum Kämpfer für gesunde Ernährung. Ich wertschätze sein politisches Engagement.

Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?

Wenn ich einen logischen Widerspruch sehe, dann bekomme ich ein schlechtes Gefühl, etwa wenn in der Medizin Beobachtungen nicht zu den etablierten Vorstellungen passen. Das treibt mich an, und ich suche so lange, bis ich eine Lösung für den Widerspruch gefunden habe. Das erzeugt ein Glücksgefühl. Dieses seltsam-schöne Spiel aus „Logik und Gefühl” hat mich stets bewegt, so dass ich mein Leben lang forsche und geforscht habe.

Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?

Pastor

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie bei der wissenschaftlichen Arbeit am meisten?

Meine Ungeduld, wenn der Computer nicht das macht, was er soll.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

So schön schreiben zu können wie Marcel Proust.

Was regt Ihre Kreativität am besten an?

Meine Morgenlektüre in Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”.

Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?

Claude Bernard, dem Begründer der Physiologie im 19. Jahrhundert.

Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?

Die menschliche Seele.

Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?

Mein auch für Jugendliche verständliches Buch „Das egoistische Gehirn”.

Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Als eine Journalistin ein Interview mit mir ohne meine Zustimmung veröffentlicht hat, nachdem sie mich gründlich missverstanden hatte.

Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?

Auf eine 14-tägige Sommerschule in der Provence mit jungen Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Zur Person

Achim Peters leitet die klinische Forschergruppe „Selfish Brain: Gehirnglukose und metabolisches Syndrom“ und ist Professor  für Innere Medizin/Endokrinologie und Diabetologie an der Universität zu Lübeck. Mehr

Zur Forschung

Achim Peters erforscht die Ursachen von Übergewicht und Diabetes-Typ-2. Er entwickelte die Selfish Brain-Theorie, die als Ursache für beides eine Fehlfunktion in der Energieversorgung des Gehirns sieht. Mehr

 
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