Was war Ihr schönstes Erlebnis als Forscher?
Eine Idee auf einer Papierserviette im Flughafenrestaurant in München-Riem, gemeinsam mit meinem Doktorvater Anders Björner aus Stockholm, an einem Augusttag 1990. Die Idee hat zu einem gemeinsamen Aufsatz im renommierten „Journal of the American Mathematical Society“ 1992 geführt – und dazu, dass Anders Björner fast seinen Heimflug nach Stockholm verpasst hätte.
Welche wissenschaftliche Entdeckung war in Ihren Augen bisher die wichtigste?
Die Entdeckung, dass Geometrie die Welt beschreiben kann. Die Entdeckung wird immer wieder wiederholt – Pythagoras, Kepler, Newton, Einstein und so weiter. Geometrie ist Zauberei.
Was sollte unbedingt noch erfunden werden?
Zeitmaschine, Perpetuum Mobile – und eine wirksame Impfung gegen Schnupfen.
Welcher prominenten Person würden Sie gern Ihr aktuelles Forschungsprojekt erklären?
Anne Will. Die hat mal in einem Interview gesagt, dass sie Mathematik faszinierend findet.
Was hat Sie dazu gebracht, Forscher zu werden?
Eine explosive Mischung aus Ehrgeiz und Neugier.
Wenn nicht Wissenschaftler – was würden Sie gerne sein?
Lokomotivführer, Astronaut, Arzt, Feuerwehrmann.
Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie beim Forschen am meisten?
Ein ziemlich mittelmäßiges Gedächtnis.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Langsam zu lesen.
Was regt Ihre Kreativität am besten an?
Musik im Hintergrund: Musik, die ich gut kenne, die ich mag, die mir gut zuredet. Bei der Arbeit an der Dissertation war das „Graceland“ von Paul Simon, die Waldstein-Sonate, Klavierkonzerte von Rachmaninow und Tschaikowski, und die Beatles. Bei der Habilitationsschrift unter anderem Ella Fitzgerald (die Cole-Porter-Alben), Georgette Dee und Sting. Und so weiter. Ich habe früher auch mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentiert, etwa mit Gin Tonic zu Promotionszeiten, aber das ist nicht zu empfehlen: Man muss dann versuchen, die Ideen zu bekommen, bevor das Getränk wirkt, und das erzeugt Zeitdruck, der der Forschung nicht förderlich ist.
Mit welchem historischen Kollegen würden Sie gerne essen gehen?
Mit einer Kollegin, Sonja Kowalewskaja (1850-1891). Eine faszinierende Frau, sehr schön, selbstbewusst, literarisch, eine brillante Mathematikerin (hauptsächlich Analysis – was mir weniger liegt), alleinerziehende Mutter und trotzdem überaus erfolgreich: Sie war die erste Mathematikerin, die in Europa eine Professur bekam.
Was ist die bedeutendste Frage, welche die Wissenschaft in Ihrem Forschungsbereich noch nicht beantwortet hat?
Wie kompliziert können geometrische Strukturen sein, die man aus n Dreiecken im drei-dimensionalen Raum zusammensetzen kann?
Was wird die Wissenschaft vermutlich nie erklären können?
Die ganz fundamentalen Fragen: nach dem Sinn des Lebens, dem Ursprung des Universums usw.
Was war Ihr größter Erfolg bei der Kommunikation Ihrer Forschungstätigkeit?
Ein Vortrag über die Primzahlen am Leibniztag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Sommer 2008 in Anwesenheit des Bundespräsidenten, nach dem (wie man mir sagt) auch bei hochrangigen Politikern zuhause noch über Primzahlen gesprochen wurde.
Und was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?
Ein Auftritt bei Stefan Raab in „TV total“, bei dem ich kaum zu Wort kam. Aber das Desaster war gleichzeitig ein großer Erfolg: Am nächsten Morgen stand mein Buch „Darf ich Zahlen? Geschichten aus der Mathematik“ auf Platz 11 der Bestsellerliste von amazon.de – und ein paar Stunden später war es ausverkauft ...
Auf welches Ereignis der nächsten Zeit freuen Sie sich schon?
Die Jurysitzungen und dann Verleihung der Medienpreise der Deutschen Mathematiker-Vereinigung in Berlin – am 19. November im Martin-Gropius-Bau in Berlin, im Rahmen der WeltWissen-Ausstellung.