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Nachgefragt bei Katja Knuth-Herzig

13. September 2022

  • Erstellt von Ursula Resch-Esser
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Foto von Dr. Katja Knuth-Herzig Array

Foto (c) Manuela Vogeler Photography; ZWM

In der Reihe „Nachgefragt“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die in der Wissenschaftskommunikation arbeiten. Mit 17 Fragen - und 17 Antworten, mal ernsthaft, mal humorvoll.

In der siebenundsiebzigsten Ausgabe sprechen wir mit Dr. Katja Knuth-Herzig. Dr. Katja Knuth-Herzig ist Koordinatorin im Graduiertenkolleg „Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation als forschungsbasierte Praxen der Wissenschaftssystementwicklung“ (WiMaKo) am Lehrstuhl für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

Ein*e gute*r Kommunikator*in braucht…?

Einen soliden und gut gepflegten Werkzeugkoffer mit Kompetenzen, gute Nerven und manchmal eine ordentliche Portion Selbstbeherrschung.

Was hat Sie dazu bewogen, in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten?

Angefangen hat alles mit einem spannenden Forschungsprojekt im Bereich Science of Science Communication. Dort gab es ein Jobangebot und ein Promotionsthema, das perfekt als Anschluss zu meiner Diplomarbeit gepasst hat. In den drei Projektphasen war es dann definitiv die Begeisterung von Rainer Bromme für das Thema. Die war einfach ansteckend. In die Praxis der Wissenschaftskommunikation bin ich dann erst so nach und nach gekommen und fühle mich da auch heute noch lange nicht als Expertin.

Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten?

Kooperation, Abenteuer, Routine

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Kommunikator*in?

Ein ganz privates Erlebnis. Zu Beginn der Corona Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer Person aus meinem persönlichen Umfeld, die zu einer Risikogruppe gehörte. Es ging um die Zweifel, ob man sich direkt als eine der ersten Personen impfen lassen soll oder lieber abwarten. Wir haben zusammen auf den Stand der Infos geschaut und alles durchgesprochen. Einige Woche später hat sich gezeigt, dass die Entscheidung sehr wichtig war, die im Nachgang zu diesem Gespräch getroffen wurde. Auch, dass sie genau zu diesem Zeitpunkt getroffen wurde. So hautnah habe ich vorher nie verstanden, wie groß die (Aus)Wirkung von Wissenschaftskommunikation sein kann.

Was war Ihr größtes Kommunikationsdesaster?

Ich habe mich in einer Diskussion auf Twitter sehr tief in Troll-Territorien runterziehen lassen und lange gebraucht, mich wieder „loszureißen“ obwohl ich gemerkt habe, dass es mir weder gut tut noch irgendeine positive Wirkung hat. Da sind mir das Selbstmanagement und die Selbstbeherrschung vorübergehend ein bisschen zu sehr abhandengekommen.

Welche Ihrer Eigenschaften stört Sie im Arbeitsalltag am meisten?

Ich kann zu neuen, spannenden, interessanten Dingen nicht nein sagen und rede mir dann gerne selbst ein, dass es schon irgendwie geht, das auch noch zu machen. Später verfluche ich dann mein Vergangenheits-Ich für den Selbstbetrug.

Mit welcher (historischen) Person würden Sie gerne essen gehen?

Virginia Woolf

Ihre Lieblingswissenschaft?

Definitiv die Psychologie. Ich finde es einfach immer noch spannend, wie wir Menschen so ticken und was wir darüber jeden Tag Neues lernen.

Welches Forschungsthema würden Sie äußerst ungern kommunizieren?

Ich glaube, über Tierversuche würde ich sehr ungern kommunizieren, da ich zu dem Thema selbst sehr gespalten bin. Das würde in der Kommunikation vermutlich durchscheinen. Und ich beneide niemanden der/die aktuell zu Corona, Klimakrise oder Diversität kommuniziert.

Ohne Hindernisse wie Geld oder Zeit: Welches Projekt würden Sie gerne umsetzen?

Ich würde immer noch gerne eine Fachgesellschaft für Wissenschaftskommunikation gründen. Ich war ein paar Jahre aus dem Thema Wissenschaftskommunikation raus und habe in der Bildungsforschung gearbeitet. Als ich zurückgekommen bin, hätte ich gerne einen Ort gehabt, an dem ich wieder anknüpfen kann. Eine Art zentraler Hub, in dem Praxis, mit all ihren vielfältigen Karrierewegen, und Forschung, mit all ihren vielen Herkunftsfächern, gemeinsam ein Zuhause finden.

In welchem Bereich würden Sie gerne arbeiten, wenn nicht in der Wissenschaftskommunikation?

Innerhalb der Wissenschaft gerne in der Bildungsforschung. Außerhalb würde ich am liebsten künstlerisch in der Fotografie arbeiten. Allerdings würde ich dann vermutlich verhungern. Mehr als 10 $ konnte ich bisher nicht mit Fotolizenzen verdienen.

Wissenschaftskommunikation im Jahr 2030 ist …

Hoffentlich eine anerkannte Kompetenz, eine gefragte Profession, eine stabile Karriere und ein blühendes Forschungsfeld.

Was halten Sie für die größte Errungenschaft der Wissenschaftsgeschichte?

Die Wissenschaft selbst.

Wie haben Sie sich als Kind die Zukunft vorgestellt?

Tatsächlich eher nicht in Science-Fiction Optik mit Raumschiffen und utopischen Städten, obwohl ich damals sehr gerne Star Trek o.ä. geschaut habe. Für mich war eher klar, dass in der Zukunft Probleme wie Umweltverschmutzung, Krieg, Hunger, Armut angegangen und gelöst werden. Für mich stand fest, dass in Zukunft die Menschheit insgesamt und das Leben jedes einzelnen Menschen stetig besser werden würde. Ich hatte wohl eine sehr idealistische Vorstellung der Zukunft.

Wie bekommen Sie bei Stress am besten Ihren Kopf frei?

Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, in der Natur, am besten irgendwo am Wasser. Und wenn ich Fotos mache, am besten in einer fremden Stadt oder in einer neuen Umgebung. Dann komme ich oft in einen Flow und das Hamsterrad im Kopf wird angehalten.

Kolleg*innen helfe ich gerne bei…/Ich stehe gerne Rede und Antwort zu…?

Bei kurzfristigen Krisen. Ich bin so ein Problemlöse- und Feuerlöscher-Mensch. Davon abgesehen bin ich sehr gut beim aufmerksamen Zuhören und beim gemeinsamen Durchdenken von Dingen.

Wem würden Sie den Fragebogen gerne schicken und welche Frage würden Sie dieser Person gerne stellen?

Falls es eine englische Version des Fragebogens gibt, an Prof. Gale Sinatra. Ich würde sie gerne fragen, was sie uns hier in Deutschland/Europa aus den aktuellen Erfahrungen in den USA mit Leugnung und Misstrauen gegenüber der Wissenschaft und wissenschaftlichen Erkenntnissen raten würde.


Dr. Katja Knuth-Herzig ist Koordinatorin im Graduiertenkolleg „Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation als forschungsbasierte Praxen der Wissenschaftssystementwicklung“ (WiMaKo) am Lehrstuhl für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Zuvor hat die gelernte Psychologin unter anderem das Projekt „Praxissemesterevaluation in der hessischen Lehramtsausbildung" für den Bereich Daten und Konstrukte an der Goethe-Universität Frankfurt/Main“ koordiniert.


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