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Experimentell und kreativ – das neue Wissenschaftsfilmfestival SILBERSALZ in Halle

11. Juli 2018

  • Erstellt von Wiebke Hahn
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Ohne menschliche Körper noch ziemlich leblos – die Exoskelette auf der Bühne kurz vor Beginn des Eröffnungabends beim SILBERSALZ. Foto: Wiebke Hahn/WiD

Ohne menschliche Körper noch ziemlich leblos – die Exoskelette auf der Bühne kurz vor Beginn des Eröffnungabends beim SILBERSALZ. Foto: Wiebke Hahn/WiD

Donnerstagabend, 28. Juni 2018, Halle (Saale): Ich trage einen weiten, grauen Overall und stecke in einem Exoskelett, welches meine Arme steuert. Zu harten elektronischen Klängen, Stroboskop-Licht und viel Bühnen-Nebel bin ich zusammen mit elf weiteren Tänzern Teil der Performance INFERNO, welche das erste SILBERSALZ Festival eröffnet.

Die Performance ist ein optimaler Einstieg in das abwechslungsreiche Festivalwochenende: Das SILBERSALZ Festival bietet in den kommenden Tagen eine Mischung aus Filmvorführungen, Experten-Talks und Live-Performances – und zwar bei freiem Eintritt. Das große Thema ist Wissenschaft mit besonderem Fokus auf künstliche Intelligenz und Robotik. Außerdem gibt es mit der SILBERSALZ Konferenz eine kostenpflichtige Fachkonferenz für Professionals aus Medienbranche und Wissenschaft.

Die partizipative Roboterperformance von Louis-Philippe Demers und Bill Vorn trägt den passenden Namen „INFERNO“. Gif: Wiebke Hahn/WiD
Die partizipative Roboterperformance von Louis-Philippe Demers und Bill Vorn trägt den passenden Namen „INFERNO“. Gif: Wiebke Hahn/WiD

Das Festivalzentrum ist eine Kirche 

Am Freitag mache ich mich auf zum Festivalzentrum, der Ulrichskirche. Sie liegt mitten in der Hallenser Altstadt und wird zumeist als Konzerthalle genutzt. Jetzt beheimatet sie eine Ausstellung, das Festivalcafé im Innenhof und hat diverse Veranstaltungen und Workshops im Programm. Nicht selten sehe ich jemanden aus der Einkaufszone kommend neugierig durch die Tür luken und alsbald einem der spannenden Vorträge lauschen.

Science meets YouTube @SILBERSALZ 

Am Abend füllen sich die Reihen langsam für die Veranstaltung Science meets YouTube, organisiert von dem Webvideo-Wettbewerb Fast Forward Science. Dabei treffen Videoscreenings, Hintergrundgespräche und Live-Experimente aufeinander und ich darf moderieren. Als Gäste geladen sind die bekannten YouTuber und Vorjahres-Preisträger Techtastisch und Doktor Whatson. Den Science-Part übernimmt Dr. Peter Kampmann, Informatiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), der aus seiner aktuellen Forschung zur Roboterentwicklung berichtet. 

Highlight der Veranstaltung ist die abschließende Q&A-Session, bei der Publikum und Experten ins Diskutieren kommen: Wofür wollen wir Roboter gerne einsetzen? In welchen Bereichen unseres Lebens spielt künstliche Intelligenz bereits jetzt eine Rolle? Wann wird die Technik soweit sein, dass mir ein Roboter Essen zubereiten und den Tisch decken kann? Wissenschaftler und YouTuber antworten dann auch schon einmal „auf Helium“, quasi als Teil des letzten Experiments. Die Gespräche gehen nach Ende der Veranstaltung im Innenhof weiter. Natürlich bleibt hier auch Zeit für eine kleine Fotosession und ein Autogramm der YouTuber, auf mitgebrachte T-Shirts oder Hefte. Es ist schön zu sehen, dass sich auch Sciencetuber zu Medienstars entwickeln.

Marcel von Techtastisch, Peter Kampmann vom DFKI und Cedric von Doktor Whatson bei der der Q&A-Session – mit Helium antwortet es sich gleich leichter. Foto: Joachim Blobel
Marcel von Techtastisch, Peter Kampmann vom DFKI und Cedric von Doktor Whatson bei der der Q&A-Session – mit Helium antwortet es sich gleich leichter. Foto: Joachim Blobel

SILBERSALZ, die Konferenz

Samstagfrüh, Leopoldina: Die zweitägige SILBERSALZ Konferenz „for industry only“ startet. Medienschaffende, Filmproduzenten und -produzentinnen, Forschende und Kommunikatoren tauschen sich aus über aktuelle Entwicklungen der Wissenschaftskommunikation, das Verhältnis zwischen Medien und Wissenschaft sowie neuartige Medienformate. Die gemeinsame Sprache ist Englisch, denn Experten und Teilnehmende sind aus ganz Deutschland, dem europäischen Ausland und Übersee angereist. Dies und die Mischung an unterschiedlichen professionellen Hintergründen führt zu einem in vielerlei Hinsicht grenzübergreifendem Austausch.

Großes Kino: Der Blaue Planet & The most unknown

Nach dem Input am Morgen möchte ich nun aber erst einmal in den Kinosaal, schließlich ist das hier nach eigenen Angaben „das erste internationale Wissenschaftsfilmfestival seiner Art“! Auf meiner Liste: Teil eins der BBC Doku-Serie „Der blaue Planet“ mit unglaublich beeindruckenden Unterwasseraufnahmen. Danach sind bei mir und dem restlichen Publikum viele Fragen im Kopf: Wie ernst ist die Situation der Walrösser in der Arktis bei schwindendem Eis? Welche Rolle spielt die Vermüllung der Meere? Was sind die größten Geheimnisse für die Meeresforschung? Antje Boetius, selbst Meeresbiologin, Vorsitzende des WiD-Lenkungsausschusses und Head of Science beim SILBERSALZ, kann im anschließenden Expertengespräch viele dieser Rätsel klären. Dabei berichtet Antje Boetius auch, dass Wissenschaftler nicht nur in der Planung und Entstehung des Filmes eingebunden waren, sondern durch die teils ganz neuartigen Filmaufnahmen auch neues Forschungsmaterial bekamen. Eine Win-Win-Situation für Wissenschaft und Medien – und bei diesem beeindruckenden Ergebnis besonders auch für das Publikum.

 

Trotz schönstem Sommerwetter, sehe ich mir am Samstagabend dann noch die Deutschlandpremiere von „The most unknown“ an. Darin treffen neun Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aufeinander, die sich alle mit den ganz großen Fragen auseinandersetzen: Was ist Zeit? Wie begann das Leben? Was ist das Bewusstsein? Die Erzählstruktur des Films ist besonders: durch gegenseitige Besuche sind die Forschenden mal Experten in ihrem Feld und mal absolute Laien, bemüht, die Forschung der anderen zu verstehen. Forschungsergebnisse rücken in den Hintergrund, deutlich hervor treten die Gemeinsamkeiten: die ähnlichen Vorgehensweisen und Denkmuster wissenschaftlichen Arbeitens. In Zeiten zunehmender Wissenschaftsskepsis ist diese Dokumentation ein wertvolles Puzzleteil für mehr Prozess- und weniger Ergebniskommunikation und eine absolute Filmempfehlung.

Nach dem Festival ist vor dem Festival

Mein Fazit: Das SILBERSALZ hat mich in seiner Vielfalt sehr unterhalten und viele kleine und große Perlen der Wissenschaftskommunikation entdecken lassen. Von all den guten Gesprächen ganz zu schweigen. Für das nächste Jahr wünsche ich mir noch mehr Teilnehmende, ganz gleich ob Wissenschaftsfans oder -skeptiker. Denn: SILBERSALZ ist für mich ein Ort der Begegnung und des Austauschs geworden, gleichzeitig kreativ und experimentell und je mehr Menschen davon profitieren, desto besser!

Über SILBERSALZ 

Als erstes internationales Wissenschaftsfilmfestival in Deutschland wendet sich das SILBERSALZ Festival mit der SILBERSALZ Konferenz nicht nur an ein Fachpublikum, sondern auch gezielt an Jugendliche und eine breite Öffentlichkeit vor Ort. Mit den zahlreichen Filmscreenings, einer Virtual Reality-Ausstellung, weiterem Begleitprogramm sowie dem Jugendprogramm „Silbersalz made by YOUth“ will das Festival Zugang zu wissenschaftlichen Fragestellungen ermöglichen und eine Auseinandersetzung mit diesen fördern.

Initiiert wurde das SILBERSALZ Festival von der Robert Bosch Stiftung und Documentary Campus. Wissenschaft im Dialog war Partner des Festivals und der Konferenz. Weitere nationale und lokale Partner haben das Vorhaben darüber hinaus unterstützt. 


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