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Warum hat der Pfirsich kleine Härchen?

12. September 2017

  • D Naturwissenschaften und Mathematik
Rasierte Pfirsiche schrumpeln schneller. Foto: Katja Machill/WiD

Rasierte Pfirsiche schrumpeln schneller. Foto: Katja Machill/WiD

Warum hat der Pfirsich kleine Härchen?

Einen Pfirsich rasieren – wer hätte gedacht, dass dies in der Botanik ein ernstzunehmendes wissenschaftliches Thema ist. Forscher haben festgestellt, dass Pfirsiche ohne ihre feinen Härchen schneller schrumpeln. Es muss also  einen Grund für das Haarkleid des Pfirsichs geben.

Der Pfirsich stammt ursprünglich aus Zentralasien, wo es im Sommer sehr heiß und trocken ist, wo es aber auch immer mal wieder zu starken Regenfällen kommt. An dieses Klima hat er sich evolutionsbiologisch gut angepasst: „Seine Härchen schützen ihn vor allerlei Gefahren, aber in erster Linie vor zu schneller Wasseraufnahme und vor Wasserverlust“, sagt die Biologin Magda-Viola Hanke. 

Die obere Pfirsichhaut, die sogenannte Cuticula, ist mit einer Mischung aus Cutin, Zellulose, Pektin und Wachsen beschichtet. Diese Kombination allein macht sie nahezu wasserundurchlässig.

Die Härchen verstärken diesen Effekt. Als deren einzellige Ausstülpungen sind sie Teil der Pfirsichhaut. Während die Pfirsiche am Baum reifen, stehen die einzelnen Härchen kerzengerade und so dicht, dass zwischen ihnen eine Luftschicht entsteht. Dieses Luftpolster schützt die Frucht neben dem Wasserverlust auch vor extremen Temperaturen und vor Strahlung. 

Sobald Pfirsiche geerntet sind, sterben die Haare ab. „Sie stehen dann nicht mehr so gerade“, sagt Hanke. Das könne man gut unter dem Mikroskop erkennen.

Was viele nicht wissen: Auch Nektarinen sind Pfirsiche. Pfirsiche mit einem Gendefekt: Die Gene, die für die Haare verantwortlich sind, wurden einst geschädigt. Dadurch platzen die Früchte schneller, wenn die Pflanze viel Wasser auf einmal aufnehmen muss und sie schrumpeln schneller, wenn die Hitze zu groß wird.

Die Evolution hat also gut daran getan, den Pfirsich mit Haaren auszustatten.

Bei der Beantwortung der Frage hat uns Prof. Dr. Magda-Viola Hanke unterstützt. Die Biologin entwickelt am Julius Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, eine Technologie zur Beschleunigung des Zuchtprozesses. 

Redaktion WiD: KM

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